Teilen ist mehr als eine Facebook-Option

Im Freundeskreis Klamotten tauschen, sich beim Nachbarn eine Säge leihen – das Konzept „Tauschen statt kaufen, leihen statt besitzen“ ist grundsätzlich kein neuer Trend, erreichte jedoch durch die kommunikativen und partizipativen Möglichkeiten im Internet neue Dimensionen. Statt die kaputte Nähmaschine wegzuschmeißen, findet man mittlerweile sehr leicht in diversen Internetgruppen Menschen vor Ort, die einem bei einem spezifischen Problem Rat geben oder sogar vorbeikommen, um bei der Reparatur zu helfen.

Statt den Joghurt, den man nicht mehr essen mag, schimmeln zu lassen, bietet man ihn Menschen an, die mehr Appetit darauf haben. Statt eine Bohrmaschine für die einmalige Benutzung zu kaufen, leiht man sie sich von jemandem aus der Nachbarschaft. Die Wege, mit anderen in Kontakt zu treten und Fachwissen und Informationen zu tauschen bzw. Gegenstände oder Lebensmittel zu verschenken oder geschenkt zu bekommen, sind durch das Internet leichter geworden.

In den vergangenen Jahren haben sich auch in Trier verschiedene Gruppen, Vereine und Initiativen gegründet, die dieser alternativen Form des Wirtschaftens und Konsumierens auf unterschiedliche Arten eine Plattform bieten. Ziel ist es, der Wegwerfmentalität entgegenzuwirken und Hilfsbereitschaft und Austausch untereinander zu fördern. 16 VOR stellt einige kostenfreie Angebote vor.

ESSEN
Foodsharing Trier
In Trier wurde, wie auch in vielen anderen Städten weltweit, die Initiative Foodsharing gegründet, die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt. Die ehrenamtlichen „Foodsaver“ kooperieren mit verschiedenen Supermärkten der Stadt und sammeln die dort nicht mehr verwertbaren Lebensmittel ein, verschenken sie dann an Interessenten über einen Aufruf auf der Facebook-Seite oder deponieren diese im Fair-Teiler (siehe unten).

Fair-Teiler
Damit Lebensmittel nicht im Müll landen, hat die Initiative Foodsharing den „Fair-Teiler“ aufgestellt. In den Metallschrank können Lebensmittel, die nicht mehr benötigt werden und keiner Kühlung bedürfen (z.B. Brot, Marmelade, Gewürze) nach Belieben eingestellt und/oder entnommen werden. Auch Selbstgemachtes kann mit entsprechender Kennzeichnung der Inhaltsstoffe hineingelegt werden. Der Fair-Teiler steht am Viehmarktplatz vor dem „Simplicissimus“ und ist von Montag bis Freitag ab 9 Uhr, samstags ab 10 Uhr und sonntags ab 13 Uhr für jeden zugänglich.

Volksküche
Die Volksküche hatte am 22. Januar in der „Scheinbar“ (Weberbach) in Trier Premiere. Die Idee dahinter ist es, Essen gemeinsam zuzubereiten und zusammen zu essen. Ein Teil der Lebensmittel stammt aus der Lebensmittelrettung der Foodsharing-Initiative, der Rest wird durch Spenden zusammengetragen. Das Menu entsteht also ganz spontan aus dem, was man zur Verfügung hat. So kann (muss aber nicht) jede/r etwas mitbringen und es wird unter Anleitung eines Koches/einer Köchin zusammen geschnippelt, gekocht, gebraten und gegessen. Die Volksküche soll einmal im Monat stattfinden und ist für jeden offen. Der Termin für die nächste Volksküche ist am „Fair-Teiler“ oder über die Facebook-Seite von Foodsharing Trier einsehbar.

GARTEN
Der Frühling kommt (bestimmt)! Und da nicht jede/r einen eigenen Garten zum Anbau von Obst und Gemüse zur Verfügung hat, haben sich in Trier und Umgebung Menschen zum gemeinsamen Gärtnern zusammengeschlossen. Da gibt es unter anderem den Gemeinschaftsgarten im Aveleler Tal oder die Streuobstwiese in Euren, die von dem Verein Transition Trier e.V. ins Leben gerufen wurden, den Tufa-Gemeinschaftsgarten – ein gemeinsames Projekt von BUND-Kreisgruppe Trier-Saarburg, Transition Trier e. V., der AG Frieden Trier und „TUFA.topolis“, die Obstwiese in der Luxemburger Straße, die seit 2011 vom BUND unterhalten wird oder die Pflanzbeete in Mariahof, die der Bürgerverein Mariahof errichtet hat. Um den passenden Gemeinschaftsgarten in der Umgebung zu finden, empfiehlt sich ein Blick auf die Internetseite der Stadt Trier. Unter dem Stichwort „Gemeinschaftsgärten“ sind die einzelnen Garten-Projekte aufgelistet.

Saatgut- und Pflanzentauschmarkt
Tausche Paprika gegen Tomate – unter diesem Motto finden, organisiert von Transition Trier e.V., seit 2013 auf dem Gelände der Tuchfabrik mehrmals im Jahr Pflanzentauschmärkte statt, bei denen Jungpflanzen und Ableger aller Sorten den Besitzer oder die Besitzerin wechseln. Erstmals wurde am 22. Februar eine Saatgutbörse veranstaltet, wo vor allem selbst geerntetes Saatgut getauscht werden konnte. Die Veranstaltungen helfen nicht nur dem Erhalt der Nutzpflanzenvielfalt, sie dienen vor allem auch dem Informations- und Erfahrungsaustausch zu Anbau und Pflege rund um den Garten.

Anstatt Nahrung zuhause vergammeln zu lassen, lieber rechtzeitig anderen schenken: In den „Fair-Teiler“ vor dem „Simple“ können tagsüber brauchbare Lebensmittel eingestellt werden, für die man keine Verwendung hat. Foto: Marco Piecuch
Anstatt Nahrung zuhause vergammeln zu lassen, lieber rechtzeitig anderen schenken: In den „Fair-Teiler“ vor dem „Simple“ können tagsüber brauchbare Lebensmittel eingestellt werden, für die man keine Verwendung hat. Foto: Marco Piecuch

BÜCHER
Statt die Bücher, die man (nicht) gelesen hat, im Regal verstauben zu lassen, kann man diese in Büchersammelstellen abgeben und sich dabei auch gleich neue Lektüre mitnehmen. Eine Büchertelefonzelle gibt es im Schammatdorf (Im Schammat 13a), ein weiteres Regal steht vor den Toiletten im Astarix (Karl-Marx-Straße 11).

FÄHIG- UND FERTIGKEITEN
Repair Café
An jedem letzten Samstag im Monat von 11 bis 15 Uhr kann man kaputte oder funktionsuntüchtige Computer, Textilien oder Haushaltsutensilien zum Mergener Hof bringen, denn vor Ort sind Experten und Expertinnen, die kostenfrei bei der Reparatur der Gegenstände helfen. Das Konzept des Repair Cafés stammt aus den Niederlanden und entstand 2013 aus einer Kooperation von der Lokalen Agenda 21 Trier e.V., Transition Trier e.V, dem Mergener Hof und dem Verein Computer-Menschen-Dinge e.V. Seither zeigen und erklären ehrenamtliche Helfer, wie kleinere Reparaturen selbst erledigt werden können, ohne die Dinge direkt entsorgen zu müssen.

Free Your Craft
Die Facebook-Gruppe „Free Your Craft Trier“ versteht sich als eine Form der Nachbarschaftshilfe, wo unter anderem Hilfe bei handwerklichen Tätigkeiten (zum Beispiel beim Anschließen einer Waschmaschine), EDV-Problemen oder auch Spaziergänge mit dem Hund angeboten oder gesucht werden können. Voraussetzung dabei ist, dass die Hilfe unentgeltlich zu verrichten ist.

ALLGEMEINE TAUSCHBÖRSEN
Auf der Internetseite des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Trier (A.R.T.) gibt es eine Tauschbörse, bei der funktionstüchtige Gegenstände getauscht oder verschenkt werden können. Ebenso bei Free-Your-Stuff Trier, eine Facebook-Gruppe, die mittlerweile knapp 12.400 Mitglieder zählt, kann man Dinge, die nicht mehr benötigt werden, zum Verschenken anbieten, bevor sie auf dem Sperrmüll landen. Alles muss kostenlos und ohne Gegenleistung abgetreten bzw. gesucht werden. In unregelmäßigen Abständen findet im Schammatdorf ein „Free Your Stuff“-Markt statt, bei dem Bücher, Kleidung, Geschirr oder Möbel zum Verschenken abgegeben werden und Dinge, die für den eigenen Haushalt benötigt werden, ebenso unentgeltlich mitgenommen werden können. Alles, was beim Markt übrig bleibt, wird entweder über die Facebook-Gruppe weitervermittelt oder als Spende an den „Umsonstladen Trier“ abgegeben. Im „Umsonstladen“ (Schönbornstraße 7) gilt ein ähnliches Prinzip: Alles, was nicht mehr gebraucht wird, kann dort abgegeben werden und Dinge, die man selbst benötigt, können mitgenommen werden. Der Umsonstladen hat Montag bis Freitag von 9.30 bis 13 Uhr geöffnet.

Katrin Grüschow

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